Radtour zum Tagebau Garzweiler

Dem Kohlekompromiss zum Trotz werden einige Orte in unserer Heimat sterben. Unsere heutige rund 60 km lange Tour führte durch sie hindurch.

Klangvolle alte Namen: Keyenberg (2023), Kuckum (2027), Ober- und Unter-Westrich (2027), Berverath (2028). Sie werden untergehen in der großen Grube, die gefräßige Bagger in die Landschaft graben werden. Die Umsiedlungsmaßnahmen haben bereits im Jahr 2016 begonnen. In Klammern angegeben sind die Jahre des voraussichtlichen Beginns der bergbaulichen Inanspruchnahmen.

 

Ein guter Grund also, sich alles noch einmal anzusehen, auch wenn die Orte so schnell noch nicht weg sein werden. Friedel hatte sich angeboten, uns hin und hindurch zu führen. Und es war eine tolle Tour.

 

Los ging es wie immer von der Trimpelshütter Straße. Diesmal zuerst auf Feldwegen Richtung Waat, von dort über Dürselen, Kamphausen und Schaan vorbei an Hackhausen und Hochneukirch zum riesengroßen Loch, in dem mehrere dieser großen Ungetüme sich in die Landschaft bissen Von oben sehen die Bagger niedlich klein aus, aber das täuscht wegen der großen Entfernung. - Man muss wirklich selber hin, ein Foto kann den Eindruck kaum wiedergeben.

Viele Jahre später soll das riesige Loch einmal mit Wasser gefüllt werden und ein gigantischer See entstehen. Wegen des ungeheuer großen Volumens wird die Füllung wohl Jahrzente andauern. In der Zwischenzeit werden sich vermutlich etliche Hausbesitzer wundern. Denn irgendwann werden die Sümpfungsmaßnahmen von Rheinbraun eingestellt werden. So wird das Abpumpen von Grundwasser genannt, tatsächlich sind das ungeheuer große Mengen. In der Folge wird der Grundwasserspiegel dann wieder kräftig ansteigen und möglicherweise in manchen Kellern Probleme bereiten. Dann wird es seitens der Bauämter sicher heißen, dass man das doch hätte wissen müssen :-) und man halt die Keller von vornherein mit einer weißen Wanne hätte ausstatten müssen. Nun gut, ich bin dann vermutlich schon unter der Erde.

Nachdem wir uns satt gesehen hatten, ging es weiter Richtung Wanlo, dass wir aber rechts von uns liegen ließen. Keyenberg war dann der erste Ort im künftigen Abbaugebiet. Vermutlich habe ich dort den letzten Maibaum fotografiert. Direkt hinter der Kirche ging es in einen wunderschönen Grüngürtel hinein, vorbei an der ganz jungen Niers, die ja in Kuckum entspringt. Aus dem Wald kommend erreicht man Unter-Westrich und kurz darauf Berverath. Im weiteren Wegverlauf kommt man dann durch Holzweiler, dass nach heutigem Stand wohl Chancen hat, erhalten zu bleiben.

 

Durch Katzem und Lövenich machten wir uns dann auf zu unserem Mittagsziel in Erkelenz. Wie immer in der Pizzeria Riva.

 

Nach der Mittagspause ging es dann zurück über Rath-Anhoven, Herrath und Wickrathberg zum Eiscafe in Wickrath. Vorbei an den Neubaumaßnahme der ersten umgesiedelten Bürger. Wenn man diese teilweise sehr großen und aufwändigen Bauten sieht, dann ist man schon verwundert über das mitleidtriefende Wehklagen der Grünen über die ach so armen enteigneten Menschen dieser Region. Wirklich bedauerlich und betroffen macht mich der Verlust der Heimat dieser Leute. Da gehen wunderschöne Ecken für immer verloren. Dass es den finanziell entschädigten Betroffenen aber wirtschaftlich geschadet haben soll, dass muss mir erst einmal jemand erklären.

Download
Strecke als GPX-Datei
2019 Erkelenz Braunkohle.gpx
GPS eXchange Datei 1.5 MB